Rückblick: Wieder einmal in Kisii

Mit den Rückblicken möchten wir zeigen, wie der Stein ins Rollen kam. Es handelt sich um den „privaten Newsletter“ von Simon an Familie und Freunde, den er während seiner Zeit in Kenia in unregelmäßigen Abständen aus Kenia verschickte.

„Wieder einmal in Kisii“, 07.10.2007

Hallo!

Nun sitz ich wie vor zwei Wochen im Internetcafe in Kisii. Leider war der heutige Tag zu stressig (Warum erfahrt ihr weiter unten) und ich konnte mein Mail nicht gut vorbereiten. Werde einfach darauflos schreiben. Hoffe dass ich nichts vergiß.

Am letzten Wochenende erkundete ich mit einem Schüler die Gegend um UGARI. Wir wanderten vom frühen Morgen bis zum späten Abend.
Am Montag musste ich das Haus meines Direktors sehen (war ihm sehr wichtig). In diesem Zusammenhang hab ich einen weiteren Österreicher in Migori (town) entdeckt. Er heißt Tarek kommt aus Wien und ist 26 Jahre alt. Ist ebenfalls ein Volunteer arbeitet aber in Sagegi- (ca 25 km entfernt von mir) Hatte am Anfang richtige Probleme mit Deutsch. Vermischte Deutsch und Englisch. Musste über jeden Satz nachdenken. RETTET MICH *gg*

Am Dienstag spielte unser Fußballklub (Ugari) ein Freundschaftßpiel. Ich war der Ehrengast und durfte Nummer 8 spielen. Wir hatten sogar Dressen (Alle rotes Arsenal T-Shirt mit Nummer 14 Henry). Manche Spieler waren barfuß, manche hatten Stoppelschuhe.
Das Feld ist mehr ein Acker,… Im Allgemeinen sind die Menschen hier alle sehr Fußball-fanatisch. Schauen oder hören sich alle Spieler der englischen Liga an. Der kenianische Fußball ist für sie uninteressant. Mein Problem war, dass sie meinen alle Muzungus (Wieße) sind Profifußballer.

Am Donnerstag musste fast die ganze 1. Klasse der Secondary-Section (Oberstufe) nachhause geschickt werden, da die Schüler das Schulgeld nicht bezahlt haben. (In Kenia ist ab der Oberstufe Schulgeld zu bezahlen). Die Stimmung war sehr gedrückt.

Am Freitag wollte ich mir die Haare schneiden (die Afrikanische Sonne ist stärker als die Angst vor dem radikal- Kurzhaarschnitt). Als meine Schülerinnen mein Vorhaben mitbekommen haben drohten sie mir mit Streik. Für sie ist mein Haar etwas sehr Besonderes (habe schon Tauschangebote bekommen) und auf jeden Fall zu schade um geschnitten zu werden. Davon abgehalten hat mich dann schlussendlich wieder einmal die fehlende Elektrizität.

Am Donnerstagabend erfuhr ich von meinem Gastbruder Lovington (studiert in einem College in der Nähe von Nakuru); dass er einige Sachen benötigt. Kurzerhand entschloss ich mich ihn am Wochenende zu besuchen.
Am Samstag stand ich um 5:30 auf und um 6:30 startete ich Richtung Kakrao. Um Neun erreichte ich Kisii. Dann gings weiter mit einem Non-Stop Matatu Richtung Nakuru. Ich teilte dem Fahrer mit, dass ich beim Nakuru Teachers Training College aussteigen möchte. Der Fahrer erklärte mir, er wisse wo es sich befindet und gebe mir Bescheid. Nach ca. 3 h Fahrzeit kamen wir in einen Stau. Der Fahrer bog in einen Seitenweg (wie auch manch andere Matatus). Doch schon nach ein paar Metern war auch auf diesem Weg Stillstand. Grund dafür war ein Graben. Nach langem Probieren konnte schließlich das erste Matatu passieren. (Das Foto hab ich von einem anderen Matatu gemacht bei unserem hab ich natürlich mitgeholfen *gg*.
Mit ziemlicher Verspätung kam ich um ca. 3 Uhr in Nakuru an (normale Fahrzeit Kisii-Nakuru 4h). Als wir an der Endhaltestelle ankamen fragte ich den Fahrer wo denn das College sei. Dieser teilte mir mit, dass er es nicht wisse. Ich erkundigte mich bei anderen Leuten, die mir Rede und Antwort standen und glücklich waren mich in ihrem Matatu zu finden. Nach kurzer Fahrt stieg ich aus und folgte den Anweisungen. Diese brachten mich aber zum Krankenschwestern College. Der Security Mann dort teilte mir mit ich müsse zurück zur Hauptstrasse und dieser ca. 600m folgen. Dort würde ich es finden. Schwerbeladen durch die Sachen von Lovington entschied ich mich die Strecke mit einem Boda-Boda (Fahradtaxi) zu bewältigen – also wieder zahlen.
Dort angekommen teilten mir die Lehrer mit das sei das RIFT VALLEY Teachers Training College und es gäbe keinen Lovington in der ersten Klasse. Sie beschrieben mir den Weg zum Nakuru TTC. Ich fuhr wieder zurück zum Zentrum und von dort wieder Stadtauswärts. Als ich den Stadtrand erreichte und der Matatufahrer den Eindruck machte er wüsse nicht wohin ich musste, waren meine Nerven blank. (Es war bereits 4:30) In diesem Moment rief mich mein Gastvater an und fragte mich ob ich gut angekommen bin. Ich erklärte ihm die Situation. Er teilte mir mit, dass ich am richtigen Weg bin. Um 5:00 pm kam ich endlich an. Ich brachte Lovington die Sachen, die Überraschung war gelungen und die Freude auf beiden Seiten riesengroß. Nach ca. 20 min fuhr ich wieder in die Stadt. Es regnete und es wurde schon dunkel.

Bei meinem ersten Besuch in Nakuru (Safari) hab ich beim ausgehen einen UNI- Professor kennen gelernt. Gott sei Dank hatten wir damals die Nummern ausgetauscht. Ich teilte ihm schon am Freitagabend mit dass ich komme. Er erwartet mich in der Stadt. Zuerst gingen wir essen (meine letzte Malzeit war das Frühstück, dazwischen nur ein paar Erdnüsse). Ich fühlte mich wie im Himmel. Es gab gegrilltes Hendl mit Pommes und Ketchup!!! Anschließend brachte er mich zum Hotel, wo er für mich ein Zimmer reserviert hatte. Für ca. 8 Euro hatte ich ein Zimmer + Dusche (warm), WC und ein riesen Bett. Genoss die erste Dusche nach 1 Monat (dazwischen waschen mit Schaffl und Waschlappen).

Heute holte er mich vom Hotel ab und brachte mich zum Matatu Bahnhof. Von dort fuhr ich nach Kisii wo ich mich nun befinde. Habe also noch ca. 2h Reise vor mir. Wird aber hoffentlich gut gehen. Freu mich wirklich auf daheim. Abenteuer sind toll aber anstrengend.
Dan (Prof. in Nakuru) ist ein toller Mensch. Ohne ihn wäre ich gestern Abend hilflos gewesen. Ich war sehr müde und meine Nerven sind sehr strapaziert worden. Er soll ein Beispiel für Hilfsbereitschaft sein. Für ihn war das alles Selbstverständlich und meinte nur, wenn er einmal nach Österreich komme, könne er vielleicht auch meine Hilfe benötigen.

Das nächste Mal wieder geordneter- Rechtschreib-, Grammatik-, stilistische Fehler bitte entschuldigen. Habe eigentlich gerade nicht den Kopf frei für E-Mail schreiben, aber ihr seits ma halt alle viel zu wichtig als dass i euch nach zwei Wochen immer no nit schreib. Ganz Liebe Grüsse in meine Heimat (von der ich doch sooft träume,..)

Simon

PS: habe natürlich wieder Bilder vorbereitet (von UGALI Sukumaviki, Schule, Matatu in Graben usw.) Konnte sie aber leider nicht hochladen. Gibts dafür das nächste Mal. Sorry

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